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  Sonic Colours   Sonic Colours

Review:

Die Erwartungen der Fans an dieses Spiel schienen eher gering – so kam es nie aus dem Schatten den Sonic 4 geworfen hat, heraus. Doch ist es wirklich so, wie man nach den ersten Trailern befürchtet haben könnte?

Wer sich jedoch vom Trailer hat abschrecken lassen, kann aufatmen: Sonic Colours auf der Wii ist nach den fragwürdigen Wii-exklusiven Vorgängern (Sonic und der Schwarze Ritter, Sonic und die geheimen Ritter) definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

  Sonic Colours

Drückt man im Hauptmenü auf Start, um zu beginnen geht es auch ohne Umschweife beim ersten Mal los – keine Menüs zur Verwirrung – es geht direkt in die ersten Level von Tropical Island. Seltsam hierbei: das Intro des Spiels, welches erklärt, wie Sonic und Tails überhaupt zu Tropical Island kamen, wird später gezeigt. In den anfänglichen Leveln wird man dann mit der Grundsteuerung des Spiels vertraut gemacht. Anders als die DS-Version wirft einen die Wii-Version praktisch ins kalte Wasser. Im ersten Level kann man bereits den Boost einsetzen und schon sehr früh im Spiel kann man den Laser-Wisp einsetzen. In der Wii-Version gibt es mehr Wisps als in der DS-Version: während man sich in der DS-Version mit 6 Wisps (Boost eingerechnet, wobei dieser per se keine direkte Farbkraft ist) begnügt, hat die Wii-Version 8 Wisps. Die Steuerung der Level ist bekannt: das Spielprinzip orientiert sich sehr an Sonic Unleashed – sprich: sieht man in der 3D-Perspektive auf Sonic spielt man den "superschnellen" Igel, den man aus Unleashed kennt, im 2D-Modus dagegen wird viel mehr Wert auf klassisches Platforming gelegt (anders als in Unleashed). Premiere in einem Sonic-3D-Spiel sei hier: es gibt auch Unterwasser-Level – und natürlich entsprechend "unterwasseroptimierte" Wisps. Die Unterwasser-Bereiche werden jedoch zum Großteil aus der 2D-Perspektive gespielt, hier wurde wieder viel Wert auf klassisches Platforming gelegt.

Je nach Wisp kann man durch Schütteln der Wii-Fernbedienung oder Z auf einem Gamecube-Controller die gewünschte Farbkraft aktivieren. So kann Sonic zu einem Bohrer (Drill-Wisp), einem Laser werden oder einem pinkem Stachelball werden. Als Neuerung des Spielprinzips im Vergleich zu klassischen Sonic-Spielen kann man allgemein jedoch festhalten: was man von den Wisps halten will, sei dem Spieler selbst überlassen, sie funktionieren jedoch und sind eine schon nach kurzer Zeit willkommene Abwandlung des bekannten Spielprinzips, insbesondere da man im späteren Verlauf die Farbkräfte der Wisps geschickt am richtigen Ort einsetzen muss.

  Sonic Colours

Letzendlich erlauben die Wisps einen enormen Wiederspielwert: zwar kann man die Wisps nur in einer bestimmten Zone freischalten – die Zonen müssen nicht nach der Reihenfolge durchgespielt werden, nach dem Abschluss von Tropical Resort schaltet man als Spieler 2 weitere Zonen frei, die man abwechselnd spielen kann – aber man kann sie in vielen bereits bespielten Leveln einsetzen. So sind in jedem Akt 5 rote Ringe versteckt, die man ohne dass man zunächst alle Wisps einsammelt evtl. gar nicht erreichen kann. Auch ergeben sich durch den Einsatz von Wisps, die man beim ersten Mal gar nicht dabei hatte komplett neue Wege durch die Level. Und nur wer alle 5 roten Ringe hat, darf später im Optionsmenü den Super-Sonic-Modus aktivieren: ja, man kann jede Ebene mit Super Sonic neu durchspielen.

Anders als in der DS-Version sind die Zonen der Wii-Fassung verhältnismäßig lang. So gibt es Zonen mit bis zu 8 Akten, die man ALLE absolvieren muss, um zum Bosslevel zu dürfen. Ein Missionsmodus ist nicht vorhanden, ebenso wenig Sonics Freunde – mit Ausnahme von Tails als dauerhaftem Begleiter. Leider sind manche Level mit größeren Frustmomenten versehen, da man hin und wieder einmal tief abstürzt wenn man einen Sprung verfehlt oder ähnliches. Zum Glück sind Momente dieser Art auf die Gesamtheit des Spiels jedoch eher selten.

  Sonic Colours

Storytechnisch ist Sonic Colours auf der Wii eine Lachnummer – im positiven Sinne. Während keiner Zwischensequenz nimmt sich das Spiel ernst. Zwar gibt die Story des intergalaktischen riesigen Freizeitparks, in dem das Spiel spielen soll, eine Entschuldigung dafür, wie zur Hölle die riesigen Level so quietschbunt sein können, da hört es jedoch schon auf. So wird man mit einem Sonic, dessen Sarkasmus kaum zu überbieten ist, konfrontiert – und genau das gleiche Problem hat Eggman. Und auch vor Tails hat man keinen Halt gemacht und ihm Phrasen in den Mund gelegt, die man so nicht von ihm erwartet hätte. So muss Eggman auch beispielsweise mit einem Roboter kämpfen, dessen Sprachchip defekt ist und er daher im Seefahrer-Slang daherplappert. Wer also eine ernstgemeinte Story erwartet – ist mit diesem Spiel nicht gut bedient – wer jedoch nach einer Story sucht, über die man lachen kann und eben lachen soll, der hat seinen Spaß.

Technisch zeigt sich das Spiel solide: es ist quietschbunt und sieht für Wii-Niveau wirklich gut aus – so darf es sich gut und gerne zu den hübschesten Wii-Spielen auf den Markt einreihen. Auch sound- und musiktechnisch wurde solide gearbeitet, die Musikstücke passen, die Soundeffekte sind gut. Sonic und Tails bekamen neue Sprecher verpasst, die zwar gute Arbeit leisten – aber insbesondere an Sonic wird man sich als Kenner der Serie zunächst gewöhnen müssen. Anders als in der DS-Version kann man auf Wunsch die Sprachausgabe jedoch auf Japanisch umstellen und wird dann gewohnte Stimmen hören – auf japanischer Seite hat sich nichts geändert. Zur Steuerung gibt es wenig zu bemängeln: Manchmal ist sie zwar etwas unpräzise, was zu kleinen Frustmomenten führen kann, an Stellen wo exaktes springen notwendig ist, solche Momente sind jedoch eher sleten. Positiv sei zu erwähnen, dass SEGA es dem Spieler freistellt, wie er nun das Spiel spielen will: ob nur mit Wii Remote, mit Wii Remote und Nunchuk, ob mit Classic Controller oder mit Gamecube-Controller – das kann der Spieler entscheiden.

  Sonic Colours Multiplayer

Alles in allem macht Sonic Colours Spaß. Die Spiellänge ist mit etwa 10 Stunden Spielzeit in Ordnung, leider gibt es hin und wieder spielbedingt kleinere Frustmomente. Sonst: mit solch einem Spiel ist die Serie durchaus auf dem rechten Weg, obwohl es nicht den klassischen Pfad eingeschlagen hat.



Wertung: