Reviews



Review:
Das in Japan unter dem Namen "Senjou no Valkyria: Gallian Chronicles" bekannte Strategie RPG von SEGA Japan hat es tatsächlich auch in unsere Gefilde geschafft. Verwunderlich, da man hiermit doch eher einen Nischenmarkt anspricht. Allerdings hat man sich die Übersetzung ins Deutsche gespart und so sollte man der englischen Sprache schon mächtig sein, um hier an den Start zu gehen. Erfreulich: Die japanische Synchro ist mit auf der Disc.

Worum es geht:
Die Story spielt irgendwo in den 30er Jahren in einem fiktiven Europa. Der zweite Europäische Krieg wird zwischen der Föderation und dem bösen Imperium ausgetragen. Nebenbei werden so einige historische Ereignisse mit in die Geschichte eingeflochten. Man stößt auf Parallelen zu Caesar, den Galliern oder dem Ost-West Konflikt nach dem zweiten Weltkrieg, aber auch Themen wie Rassismus (statt gegen Juden hier gegen die Darcsen) und Konzentrationslager werden angesprochen. Die Japaner haben sich ganz schön was einfallen lassen. Und mitten im Getümmel steht Gallia. Gallia hat sich bisher nicht in den Krieg zwischen der Föderation und dem Imperium eingemischt, jedoch ist das Imperium ganz scharf auf die dortigen "Ragnite" Vorkommen. Ragnite treibt nicht nur Maschinen an (z.B. eure Panzer), sondern hat zudem heilende Wirkung. Nachdem das Dorf Bruhl dem Erdboden gleichgemacht wurde, gibt es keine andere Wahl: Gallia, und allen voran der 22-jährige Generalssohn Welkin Gunther, zieht mit in den Krieg.

In den sogenannten "BLiTZ" (Battle of Live Tactical Zone system) Gefechten kontrolliert ihr eure eigene kleine Einheit, das Squad 7. Die Charaktere sind unterteilt in Scouts (können besonders weit pro Runde laufen), Shocktrooper (ausgerüstet mit starken Maschinengewehren), Lancer (Anti-tank Einheiten), Sniper (selbsterklärend) und Supporter (heilen u.a. Kollegen und Tanks). Dazu kommen je nach Gefecht 1-2 Tanks (Panzer). Die Kämpfe sind eine Mischung aus rundenbasierter Strategie und Echtzeit Action. Die Aktionen selber in jeder Runde werden immer in Echtzeit ausgeführt. Nach euren Zügen ist der Computer Gegner an der Reihe. Hört sich kompliziert an, ist es aber eigentlich nicht. Man wird langsam an die komplexen Möglichkeiten des Spieles herangeführt. Pro Runde habt ihr nur eine begrenzte Anzahl an CP - Command Points. Mit diesen müsst ihr haushalten. Pro Aktion mit einem Charakter geht ein CP drauf, mit einem Tank sind es sogar zwei. Im Laufe des Spieles könnt ihr die Mitglieder eures Squads austauschen, eure Charaktere aufleveln und ausrüsten, neue Orders lernen und vieles mehr. Ingesamt stehen euch über 100 individuelle Charaktere für euer Squad zur Verfügung. Alle besitzen unterschiedliche Spezialfähigkeiten. Ihr könnt euch hier übrigens auf ein Wiedersehen mit Vyse und Aika aus Skies of Arcadia freuen. Da die Charaktere fast durchweg äußerst symphatisch sind, trifft es euch umso mehr, wenn eure Kollegen im Kampf sterben. Und ich meine nicht für einen Kampf sterben, nein, die Figur wird dann tatsächlich auf dem Föderationsfriedhof beerdigt und kommt nicht wieder. Das passiert allerdings nur wenn eure im Kampf verwundete Einheit nicht binnen drei Runden von einem Kollegen bzw dem Medic erreicht wird oder eine gegnerische Einheit die Figur erreicht und ihr quasi den Todesstoß versetzt.

Das ganze Spiel ist in Episoden eingeteilt, die im "Book Mode" ausgewählt werden. Pro Chapter (Doppelseite im Buch) gibt es ein bis zwei Gefechte und um die 4-10 kurze Zwischensequenzen, in denen die Story vorangetrieben wird. Nebenstories sind mit einem Stern im Buch markiert und können (wie auch die anderen Zwischensequenzen) problemlos mit 'Start' übersprungen werden (aber wer will das schon?).

Bei der Grafik hat sich SEGA nicht lumpen lassen. Mit Hilfe der speziell für dieses Spiel entwickelten "Canvas Engine" hat man eine unglaubliche Wasserfarben-artige Welt erschaffen. Der Look ist so frisch und unverkennbar wie man es selten gesehen hat. Besonders in HighDefinition kommt dieser voll zur Geltung  (siehe auch Screenshots & Trailer). Wie damals mit Jet Set Radio auf Dreamcast, ist SEGA mit Valkyria Chronicles ein richtiges Grafik Prachtstück gelungen.

Auch im musikalischen Bereich spielt Valkyria Chronicles ganz vorne mit: Die Musikuntermalung ist ausgezeichnet, die Soundeffekte passen zu jeder Zeit ins Geschehen. Wer zudem eine Dolby Digital Anlage sein Eigen nennt, kommt in den Genuss hervorragend abgemischten Surround Sounds.


Fazit:
Schon lange nicht mehr hat ein SEGA Titel so gefesselt, war so neuartig wie man es aus den glorreichen Dreamcast Zeiten kannte. Man ging ungewohnte Wege und präsentiert mit Valkyria Chronicles einen der wenigen PS3 exklusiven Must-Haves. Eine noch höhere Wertung bleibt dem Spiel aus nur wenigen Gründen verwehrt: Im Verlauf des Spiels sind einige Gefechte durchaus so anspruchsvoll, dass es zu einer wahren "Speichern/Laden" Orgie mutiert. Ohne die Speicherfunktion im Gefecht wären einige Kämpfe wirklich unheimlich schwer. Und: Stört es noch am Anfang kaum dem Gegner bei seiner Runde zuzusehen, fängt es spätestens nach der Hälfte des Spiels an in einigen (nicht allen) Gefechten an zu langweilen, da der Gegner einfach zu lange für seine Züge braucht. Hier hätte eine Art Vorspulfunktion Wunder gewirkt.
Wer sich zwischendurch unterpowert fühlt kann sich übrigens in diversen freien Gefechten weiter aufleveln. Allein die Story hat  einen Umfang von 30-40 Stunden. Für langzeit Unterhaltung ist hier definitiv gesorgt.

Wertung: